Geste. Informel. Privat. Werke aus einer Privatsammlung

16.01.2022 - 24.04.2022

Was wäre wenn …? Wie hätte sich der 1951 verstorbene Peter August Böckstiegel zur zeitgenössischen Kunst der Nachkriegsjahre verhalten, wenn er länger gelebt hätte? Wie hätte er die Entwicklung junger Künstler gesehen, mit denen er teilweise in den späten 1940er Jahren noch ausstellte und die sich nach figürlichen Anfängen immer stärker der „Weltsprache der Abstraktion“ öffneten?

Die Ausstellung zeigt einen repräsentativen Querschnitt durch die malerisch abstrakte, gestische Kunst der 1950er und frühen 1960er-Jahre – dem Informel – und zeigt erstmalig die umfangreiche Sammlung einer ostwestfälischen Familie. Damit öffnet sich das Museum Peter August Böckstiegel ebenfalls zum ersten Mal in seiner jungen Geschichte der Kunst der Nachkriegsmoderne und führt die kunsthistorische Entwicklung der letzten Lebensjahre seines namensgebenden Künstlers im Lauf der Zeit fort.

Die Sammler begannen in den frühen 1990er-Jahren, sich intensiv mit der gegenstandslosen Malerei der Nachkriegszeit zu beschäftigen – einer Zeit, die auch ihre Jugend und ihren eigenen Weg stark geprägt hat. Und so liegt es beiden nahe, sich dieser Aufbruchsstimmung zu widmen und nach und nach Werke zu erwerben, die den Geist der deutschen Kunst in diesen Jahrzehnten spiegelt. So entstand eine private, subjektiv zusammengestellte Sammlung von höchster Qualität, die die verschiedenen Formen und Varianten der Abstraktion ausloten: Von der gestisch und frei geschwungenen Linie über fantasievolle, harmonische Farbspiele bis hin zu geometrischen Elementen, die lose eingefügt werden. Das Besondere an der Sammlung sind nicht nur die großen Namen, die vertreten sind, sondern auch das bewusste Integrieren von Künstlern, die bisher in der Kunstgeschichte keinen ausdrücklichen Platz haben. Und sie umfasst Werke der Informel-Künstler aus späteren Schaffensjahren, was zeigt, dass die künstlerische Haltung ein anhaltendes, tiefes, Bedürfnis eines Ausdrucks war und dass deren abstrakte Bildsprache als Weltsprache bis heute Gültigkeit hat.

Geste. Informel. Privat stellt keinen Anspruch auf kunsthistorische Vollständigkeit, das zeigt auch der Titel, dennoch sind doch die meisten der bedeutendsten Künstler des Informel vertreten, darunter Fred Thieler, Peter Brüning, Emil Schumacher, Rolf Cavael, Karl Otto Götz oder Bernhard Schultze. Die Ausstellung wird so zu einem eindrucksvollen Spiegelbild der 1950er und frühen 1960er-Jahre.

Die Ausstellung wird kuratiert von Susanne Kleine. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache im Wienand-Verlag. Er ist während der Ausstellung im Museumsshop erhältlich.
 

Begleitprogramm:

Dialogische Führungen mit Susanne Kleine und David Riedel - bereits ausgebucht

Der Künstler Hans Kaiser – Auf den Spuren eines Grenzgängers, Vortrag mit Justus Beyerling

"An Absolutely Unknown Aspect of Modern Art” – Die deutsche Kunst der Nachkriegszeit in den USA, Vortrag mit Dr. Ilka Voermann

Von KROE zu Bö - Eine Führung an zwei Orten (von Künstlerhaus zu Künstlerhaus) - bereits ausgebucht

Von KROE zu Bö - Eine Führung an zwei Orten (von Museum zu Museum)

Informel von Bielefeld nach Werther
 

  • Emil Schumacher, Gonza, 1958
    Emil Schumacher, Gonza, 1958, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm, Privatsammlung, VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Philipp Ottendörfer, Zürich
  • Karl Otto Götz, Ohne Titel, 1955
    Karl Otto Götz, Ohne Titel, 1955, Gouache auf Papier, 44,9 x 32,8 cm, Privatsammlung, VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Philipp Ottendörfer, Zürich
  • Fred Thieler, Monadisch spektral, 1956
    Fred Thieler, Monadisch spektral, 1956, Öl auf Leinwand, 130 x 189 cm, Privatsammlung, VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Philipp Ottendörfer, Zürich
  • Hubert Berke, Ohne Titel, um ca. 1954
    Hubert Berke, Ohne Titel, um ca. 1954, Gouache auf Papier, 63,4 x 48,6 cm, Privatsammlung, Foto: Philipp Ottendörfer, Zürich
  • Fred Thieler, Ohne Titel, 1955
    Fred Thieler, Ohne Titel, 1955, Gouache und Tusche auf Papier, 48,5 x 58,5 cm, Privatsammlung, VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Philipp Ottendörfer, Zürich